Cinema! Italia! feiert Jubiläum

Monica und Giovanni in der italienischen Komödie "Come un gatto in tangenziale"

Italienische Filme zu Gast in deutschen Programmkinos

Cinema Italia! kann mit Stolz auf 25 erfolgreiche Jahre zurückblicken. Bereits seit 1998 kann sich das Publikum in Deutschland auf zeitgenössische italienische Filme und eine spannende Filmwoche im Herbst freuen.

Made in Italy aus Rom und Kairos Filmverleih aus Göttingen präsentieren im Jubiläumsjahr sechs ausgewählte Filme in 36 deutschen Städten: italienische Filmkunst zu aktuellen Themen von Komödie bis Tragödie. Alle Produktionen werden in der OmU-Version gezeigt und bieten damit nicht nur der italienischen Community in Deutschland, sondern allen Italophilen die Möglichkeit, großartige Filme zu sehen, die in diesem Format selten oder nie in die großen Kinos kommen.

Zu sehen in 40 Kinos zwischen Hamburg und München

Die sechs Tournee-Filme spielen an den unterschiedlichsten Orten und setzen sich jeder auf seine Weise mit dem Alltagsleben im heutigen Italien auseinander.

In dem preisgekrönten Film „Ariaferma“ (Verriegelte Luft) inszeniert Regisseur Leonardo Di Costanzo ein Gefängnisdrama, in dem es nicht nur darum geht, wie Macht und Kontrolle entstehen und funktionieren, sondern auch um die grundsätzliche Absurdität von Gefängnissen. Mit hervorragenden Schauspielern besetzt und spannend bis zur letzten Minute, war dieses Werk zu Recht einer der besten Filme beim Festival in Venedig.

„Calcinculo“ (Karussell) hingegen ist ein Coming-of-Age-Film, der mit sehr viel Gespür für seine Figuren die Geschichte von Benedetta und Amanda erzählt. Benedetta ist 15 und als Teenagerin sehr unglücklich. Zu Hause ist es schwierig und in der Schule ist sie eine Außenseiterin. Eines Tages jedoch trifft sie auf Amanda, die als SchaustellerIn mit einem Jahrmarkt umherzieht. Un calcio in culo ist auf Deutsch ein Tritt in den Hintern und genau das ist Amanda für Benedetta. Er/sie zeigt dem Mädchen, dass man nicht unbedingt so sein muss wie allen anderen, um glücklich zu sein und Spaß am Leben zu haben. Der deutsche Titel spielt auf das Kettenkarussell an, das in dem Film eine symbolische Rolle spielt.

In „Come un gatto in tangenziale: Ritorno a Coccia di Morto“ (Wie eine Katze auf der Autobahn – Die Rückkehr) haben die Kinobesucher das Vergnügen, Monica und Giovanni wiederzusehen. 2018 gab es den ersten Teil dieser großartigen römischen Komödie, die mit viel Tempo, Witz und Seitenhieben das Spannungsverhältnis zwischen der linksliberalen Elite und ihren Lippenbekenntnissen und den „kleinen Leuten“, die in den zunehmend verfallenden Vororten und Randgebieten der italienischen Hauptstadt mehr schlecht als recht über die Runden kommen.

„Il legionario“ (Der Legionär) ist die Geschichte eines jungen Römers mit afrikanischem Migrationshintergrund, der es mit sehr viel Ehrgeiz geschafft hat, sich eine Karriere bei der italienischen Polizei aufzubauen. Als Polizist und BiPoC lebt er in einem permanenten Spannungsfeld zwischen seiner Herkunft und seinem heutigen Selbstverständnis als Italiener. Die Situation spitzt sich dramatisch zu, als er bei einem Räumungseinsatz gegen die eigene Familie vorgehen muss, da Mutter und Bruder nach wie vor in dem besetzten Gebäude, in dem er selbst großgeworden ist, wohnen.

„Welcome Venice“ ist der neue Film von Andrea Segre, der bereits mit „Moleküle der Erinnerung“ einen ganz wunderbaren Dokumentarfilm über Venedig im Corona-Lockdown gedreht hat. In seinem aktuellen Film geht es um die Brüder Pietro und Alvise, die zu einer alten venezianischen Fischerfamilie gehören. Beide müssen sich mit den Veränderungen durch Tourismus und Klimawandel auseinandersetzen, kommen dabei allerdings zu entgegengesetzten Entscheidungen, an denen die Familie auseinanderzubrechen droht.

Hommage an Monica Vitti

Und last but not least der einzige Film, der schon fast 60 Jahre alt ist:
Als Hommage an die Anfang 2022 verstorbene Monica Vitti zeigt Cinema! Italia! ausnahmsweise einen Film von 1964 – Michelangelo Antonionis „Deserto Rosso“ (Rote Wüste). In diesem italienischen Klassiker zeigt uns Antonioni das Ravenna der 1960er Jahre als eine postindustrielle Dystopie: Industrie, verdreckte Flüsse und giftige Abgase. Parallel dazu sieht man die Protagonistin Giuliana, die an ihrem Leben verzweifelt, Angstzustände hat und sich mit ihrem Dasein als Ehefrau und Mutter nicht mehr identifizieren kann.

Partner

Wie auch in den Vorjahren wird Cinema! Italia! unter der Schirmherrschaft der Italienischen Botschaft ausgerichtet. Und dank der deutschen Untertitelung durch professionelle ÜbersetzerInnen kommen auch diejenigen, die nicht oder nur wenig Italienisch verstehen, jedes Jahr aufs Neue in den Genuss dieser hervorragenden Filmreihe.

Tatjana Heckmann

Tatjana Heckmann

Übersetzerin für Englisch und Italienisch

Ich bin Fachübersetzerin und beschäftige mich beruflich hauptsächlich mit Texten im Bereich Maschinen- und Anlagenbau. Des Weiteren fertige ich als beeidigte Übersetzerin beglaubigte Übersetzungen von Urkunden und Verträgen an. 

In der Rubrik et cetera schreibe ich über Themen aus meinem Berufsalltag und über alles, was mich an Sprache und Kultur darüber hinaus interessiert.