Der Untergang der Andrea Doria

Nordamerika-Linie Andrea Doria, altes Werbeplakat der Schifffahrtsgesellschaft

Der Luxusliner Andrea Doria

Das italienische Passagierschiff „Andrea Doria“ war seinerzeit das größte, schnellste und luxuriöseste Schiff der Welt und verkehrte regelmäßig auf der Route Genua – New York.

Nachdem die italienische Flotte im Zweiten Weltkrieg die Hälfte ihrer Schiffe verloren hatte, wurden nach dem Krieg dringend neue Schiffe benötigt, insbesondere für die Passage über den Nordatlantik. Und so lief die Andrea Doria nach nur 18 Monaten Bauzeit im Frühsommer 1951 in Genua vom Stapel. Das Schiff mit Heimathafen Genua war der ganze Stolz der italienischen Flotte und galt als unsinkbar.

Die Nacht der Katastrophe

Nur fünf Jahre später – in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli 1956 – kommt es jedoch zur Katastrophe: das Schiff wird im dichten Nebel von dem schwedischen Dampfer „Stockholm“ gerammt. Dessen Bug bohrt sich tief in die Seite der Andrea Doria und reisst das Schiff von oben bis unten auf. Mehrere hundert Tonnen Meerwasser dringen ein und der Ozeanriese gerät rasend schnell in Schräglage. Die anschließende Rettungsaktion gilt bis heute als die größte der zivilen Seefahrt: von insgesamt 1706 Passagieren und Besatzungsmitgliedern können 1660 Personen gerettet werden. Kapitän Piero Calamai ordnet während der Evakuierung an, dass die Beleuchtung bis zum Schluss angeschaltet bleibt, damit sich Passagiere und Rettungskräfte auf dem sinkenden Schiff besser orientieren können. Mit schwerer Schlagseite geht das Schiff nach 11 Stunden mit hellerleuchteten Decks unter und liegt noch heute 80 Meilen vor der Küste von Nantucket auf dem Meeresgrund

Meeresmuseum Genua

Einer Ausstellung des Galata Museo al Mare in Genua gelang es 2016 auf eindrucksvolle Weise, die Atmosphäre dieser verhängnisvollen Nacht lebendig und anschaulich zu vermitteln. Bei ihrem Rundgang mussten die Besucher insgesamt zwei Stockwerke über eine schiefe Ebene überwinden – dies sollte die Mühen der Passagiere nachvollziehbar machen, die sich auf dem auf der Seite liegenden Schiff zu den Rettungsbooten vorankämpften. Originaltonaufnahmen, zahlreiche Fotos vom Unglücksort sowie persönliche Gegenstände und Tagebuchaufzeichnungen von Passagieren und Besatzungsmitgliedern vervollständigten das Bild dieser Schiffstragödie. Auch wenn das Unglück in den 1950er Jahren die Massenmedien beherrschte, ist es international  heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Für Italien und besonders die Hafenstadt Genua ist es jedoch nach wie vor ein bewegender Teil der nationalen Geschichte.

Tatjana Heckmann

Tatjana Heckmann

Übersetzerin für Englisch und Italienisch

Ich bin Fachübersetzerin und beschäftige mich beruflich hauptsächlich mit Texten im Bereich Maschinen- und Anlagenbau. Des Weiteren fertige ich als beeidigte Übersetzerin beglaubigte Übersetzungen von Urkunden und Verträgen an. 

In der Rubrik et cetera schreibe ich über Themen aus meinem Berufsalltag und über alles, was mich an Sprache und Kultur darüber hinaus interessiert.